*
logo-oben

seiteempfehlen
panikattacke
Menu
Home Home
Meine Bücher Meine Bücher
Mehr über MICH? Mehr über MICH?
Mehr Infos über meine Methode Mehr Infos über meine Methode
angstlöwenclub angstlöwenclub
Kostenloses Hörbuch Kostenloses Hörbuch
Leseprobe neustes Buch Leseprobe neustes Buch
Wie finde ich die Ursachen? Wie finde ich die Ursachen?
was will die Angst DIR sagen? was will die Angst DIR sagen?
Musterprofil ansehen Musterprofil ansehen
Häufige Fragen Häufige Fragen
Yoga für Angstlöwen Yoga für Angstlöwen
Leseprobe anfordern Leseprobe anfordern
Pressestimmen Pressestimmen
Meine Lieblingsbücher Meine Lieblingsbücher
Login Login
EIne Bitte an meine Leser EIne Bitte an meine Leser
AGB AGB
Impressum Impressum
bachblueten
Original Bachblüten aus der Bachblüten Apotheke - erstaunlich günstig
css
adsense

Leseprobe aus meinem neuen Buch "Panikattacke sucht neuen Wirkungskreis für Fortgeschrittene (Untertitel: "Kennt jemand Marion Bohn")

 

Darf ich vorstellen:

 Herr Muss und Frau Wollen

Herr Muss ist ein Sklaventreiber wie er im Buche steht. So ein richtiger Drill Instruktor, wie man ihn von den neusten Fitnesstrends kennt. Er begleitet mich schon mein Leben lang. Morgens habe ich noch nicht richtig die Augen geöffnet, da tönt er schon in meinem Kopf: “du musst aufstehen, du musst schnell wieder optimal funktionieren, du musst dich ganz schnell fertig machen und du musst deine Emails beantworten, sehen was noch so an Post gekommen ist, die Küche ist auch mal wieder fällig und du musst noch deinen Sport machen.“ Ständig rattert er in meinem Kopf und verlangt oft unmenschliches von mir. Er lässt mir keine Zeit Dinge langsam anzugehen und wirklich im Hier und Jetzt zu leben ist ihm völlig fremd. „Was soll der Scheiß heute haben wir im Griff, wichtig ist was ich vorbeugend schon für morgen tun kann. Du bist noch zu langsam, du tust noch zu wenig, du bist einfach noch nicht perfekt genug. Ich kann dich erst lieben und respektieren, wenn du mich komplett an die Macht lässt.“ Ich sehe ihn vor mir in seiner Drill-Uniform und seiner Peitsche in der Hand. Mit verbissenem Gesichtsausdruck und gequälter Miene treibt er mich immer an meine Grenzen. Sein Gesicht ist ständig hochrot und die Adern am Hals geschwollen. Er kennt keine Gnade und kein Mitleid. Er kennt nur Funktionieren und das immer und zu jeder Zeit. Das Ziel ist, jeden in meinem Umfeld zufrieden zu stellen. Herr Muss arbeitet nicht für meine Bedürfnisse, er sagt nicht: „du musst heute mal ausruhen, du musst dir selber mal wieder etwas gönnen oder du musst mal wieder du selbst sein!“ Nein solche Argumente sind egoistisch für ihn und haben keinerlei Berechtigung. Bemessen wird meine Arbeit nur dadurch, wie sie in meinem Umfeld ankommt. Wurde ich für gut befunden oder gibt’s immer noch Grund zur Kritik? Er verleidet mir jede Ruhepause. Ich lege mich auf die Couch um etwas zu entspannen, da ruft er schon wieder aus dem Hinterhalt: „unter dem Wohnzimmertisch liegt Staub, du musst…“ Ich versuche zu meditieren, da tönt es aus der Ecke: „ du musst noch einkaufen und hast du schon überlegt, was du heute Abend zu essen machen willst?“ Ich lege mich in die Sonne, mein Mann arbeitet im Garten, da geht’s schon wieder los:“ du musst ihm helfen, du musst….“ Er mischt sich ständig in mein Leben ein. Ich kann nichts aber auch überhaupt nichts tun oder denken, ohne dass er seinen Kommentar dazu abgibt. Kommentar ist eigentlich das falsche Wort, viel zu harmlos, es sind Befehle und wehe ich versuche mich zu widersetzen….das büße ich dann tagelang mit negativen Gefühlen und Gewissensbissen. Manchmal möchte ich abends nur mal etwas weggehen, entspannen, ein nettes Gespräch mit meinem Mann führen und einfach mal abschalten. Wir gehen dann weg und ich denke er schläft endlich mal, bis wir Bekannte treffen, die uns ihre Probleme erzählen. Schon wacht er auf und schreit: „Du musst zuhören, helfen, eine Lösung finden. Du musst versuchen, dass sie sich besser fühlen wenn sie nach Hause gehen!“ Selbst wenn ich Dinge tue, die mir normaler weise Spaß machen, taucht er auf und vergällt mir mit seinem Perfektionismus jede Freude. Immer muss ich perfekt aussehen, immer perfekt reagieren, immer perfekt handeln und immer die perfekten Worte finden. Immer muss ich auch eine Stunde Sport machen, immer muss ich erst alle anderen Arbeiten im Haushalt erledigen, bevor er halbwegs zufrieden ist. Wenn er mal nicht schreit dann hält er mich in Bewegung. Alles muss fast gleichzeitig gemacht werden, nichts geht ohne Planung. Ich will in Ruhe kochen, da sieht er schon wieder einen Fleck auf dem Boden der sofort entfernt werden muss. In Ruhe mal Gemüse schneiden und dabei entspannen, das geht natürlich nicht, das muss alles flott und zügig von statten gehen. Außerdem kann man dabei doch gleich mal darüber nachdenken, was noch alles so ansteht. Er wirft Adrenalin um sich, wie andere beim Faschingsumzug Bonbons. Davon bekomme ich immer im Übermaß.

SO stehe ich ständig unter Strom. Es ist, als ob man immer zu einem vermeintlichen Ziel rennt um dann festzustellen, dass das Ziel in der anderen Richtung liegt. Also rennt man nach rechts, links und kreuz und quer und kommt doch nie an. Eigentlich würde es schon reichen, wenn das nur körperlich geschehen würde, aber er macht das auch mit meinen Gedanken. Ständig muss ich grübeln, nachdenken und überlegen….

Nie bin ich ihm gut genug und nie verteilt er ein Lob.

Ich frage mich oft wie ich an diesen „blöden Typ“ gekommen bin. Wurde ich mit ihm geboren oder wann hat er sich eingenistet? Meine Eltern haben diesen Herrn „Muss“ auch schon gehabt, das weiß ich rückblickend. Also habe ich sicher einen kleinen Teil von ihm vererbt bekommen. Aber WIE konnte er soo groß und übermächtig werden?

 

Wie hat er es geschafft aus mir seinen Leibeigenen zu machen?

 

Es ist wie eine Art Hörigkeit, die sich entwickelt hat, aber wieso?

 

Wenn ich einem anderen Menschen hörig bin, dann doch nur deshalb, weil ich etwas zurückbekomme, dass ich brauche, oder? 

 

Aber was gibt Herr „Muss“, das ich unbedingt benötige und wonach ich schon fast süchtig bin???

 

Heute weiß ich: Herr „Muss“ wurde von mir nie in Frage gestellt, im Gegenteil. Ich sah ihn als einer meiner positivsten Persönlichkeiten. Wie stolz war ich doch darauf, dass ich viele Dinge auf einmal tun konnte, dass ich alles so gut im Griff hatte, dass ich immer und überall funktionierte. Ich konnte mich darauf verlassen und daraus zog ich meine Anerkennung für mich selbst. Für Menschen die Schwäche zeigten oder nichts auf die Reihe bekamen, empfand ich kein Mitleid. Ich hatte doch immer die Erfahrung in meinem Leben gemacht, sobald man gut funktioniert, gut aussieht und mehr leistet als andere, bekommt man Anerkennung. Natürlich reden alle von innerer Schönheit und dass sie wichtiger ist, aber die Realität zeigte sich mir von einer anderen Seite. Man muss natürlich auch sein wahres Ich hinter all dem Perfektionismus kennen, um es lieben zu können. Ich kannte mich aber überhaupt nicht, ich selbst definierte mich ja nur über die Leistung, weil ---

Für mich, MARION hat sich nie jemand interessiert, ich am allerwenigsten, außer wenn ich mich durch gute Leistungen oder ansprechende Optik hervortat. Ja hervortat beschreibt ganz gut den innerlichen Antrieb den Herrn „Muss“ so groß werden zu lassen. Nicht in der Masse untergehen zu wollen, etwas Besonderes sein zu wollen, etwas auf dieser Welt hinterlassen wollen. Das Gefühl zu haben, ich bin nicht unwichtig gewesen. In meinem Innern nach etwas „Besonderem“ zu suchen, auf die Idee kam ich lange nicht. Ich war kein besonders hübsches Kind und habe relativ schnell gespürt, dass hübsche Kinder einfach mehr Zuneigung bekamen. Meine Schwester war so ein „süßes Baby“ (ist sie immer nochJ)und jeder war ganz entzückt von ihren schönen Locken und ihren großen Augen. In der Schule waren auch die am besten gekleideten und hübschen Kinder an der „Macht“. SO lernte ich schon als Kind, dass anscheinend Optik ein wichtiger Maßstab für Zuneigung ist. Sicherlich ein Grund, warum ich mein ganzes Leben lang versucht habe mein Äußeres zu perfektionieren. Die perfekte Hülle zu erschaffen, hinter der sich das kleine traurige Mädchen verstecken konnte.

Letztendlich das kleine traurige Mädchen, das einfach geliebt werden wollte. So wie es ist. Da dieses Urvertrauen nie wachsen konnte, blieb nur die Erkenntnis, ICH muss eben mehr leisten als Andere um geliebt zu werden. Ich bin nichts Besonderes, deshalb muss ich eben besonders viel im Außen machen um so jedem zu zeigen: hej, seht doch mal her, ich bin doch auch noch da und tue und mache so viel und strenge mich an, warum seht ihr mich nicht?“ Nach einer besonders guten Leistung gab es wenigstens ein paar Sekunden lang Aufmerksamkeit. Was bedeutet, wenn die Leistung noch besser wird, wird die Zeit der Aufmerksamkeit sicher auch länger!“

Also habe ich mir selbst meinen Herrn „Muss“ geschaffen, damit (falls ich mal schwach werden sollte), eine Art hauseigener „Antreiber“ wieder für die nötige Leistung sorgt. Mit „innerer“ Schönheit konnte ich nicht wirklich etwas anfangen. Eigentlich eine interessante Frage, oder?

 

Was macht eigentlich innere Schönheit aus?

 

Wir sagen das immer so locker daher, aber was genau ist innere Schönheit und wer definiert diese? Oder ist genau das der Grund, dass es dafür keine Norm gibt, warum ich es nicht weiß. Beim äußeren Schönheitsideal weiß man ja ziemlich genau was die Gesellschaft als schön empfindet. Gewisse äußere Merkmale werden einfach als schön von den Mitmenschen empfunden. Auch wenn jeder seinen eigenen Geschmack dabei hat. Die innere Schönheit muss jeder für sich selber definieren und da sie nach außen auch erst mal nicht sichtbar ist, macht sie nicht wirklich etwas her, oder? Zumindest nicht auf den ersten Blick. Und den zweiten Blick gönnen wir den meisten ungern. Sonst könnten sie ja das kleine traurige Mädchen entdecken, das wir doch mit allen Mitteln versteckt halten.

Also was genau ist DEINE Definition von innerer Schönheit? Die meisten werden jetzt, geleitet von ihren jeweiligen Glaubensätzen, antworten:“ ja Eigenschaften wie hilfsbereit, ehrlich, sozial engagiert usw. zu sein“. Aber stimmt das wirklich? Wenn wir einen fremden Menschen treffen, von dem wir nichts wissen und fühlen uns von ihm angezogen, empfinden ihn als sympathisch oder sind gerne in seiner Nähe, oder er hat einfach eine schöne Ausstrahlung, können diese Eigenschaften dann der Grund sein? Eigentlich ja nicht, weil wir ihn dazu näher kennen müssten, um das zu beurteilen, nicht wahr?

 

Ist es nicht eher diese innere Ruhe, die innere Gelassenheit, die ein Mensch ausstrahlt? Dieses Strahlen in den Augen, das nur eine Einstellung von „ich bin mit mir im Reinen“  hervor bringen kann? Dieses „in sich ruhen, sich selbst gefunden haben und sich annehmen“ bewirkt eine Offenheit und Ruhe in deren Umfeld, dass man sich einfach wohl fühlt. „Wohl fühlt“, weil man sich angenommen fühlt, von diesem Menschen, weil er uns vorlebt, so schön kann es sein, so friedvoll ist es, wenn du dich so lieben kannst wie du bist. „Weil ich mich so nehme wie ich bin, kann ich auch DICH so nehmen wie du bist“ und diese enorm positive Energie fließt von diesen Menschen auf uns über. Es geht nicht wirklich darum wie viele vermeintlich positive Eigenschaften ein Mensch hat. Diese Bewertungen nehmen ja nur wir Mensch vor, wie schon an anderer Stelle beschrieben. In unserer meist christlich geprägten Kultur bewerten wir andere Eigenschaften als positiv als in Kulturen, die uns fremd sind, wie zum Beispiel manche Stämme im Urwald. Was wir als „Kindesmisshandlung“ oder zumindest unmenschlich bezeichnen würden ist dort ein lebensnotwendiges Ritual. (Väter jagen ihre Söhne nachts alleine für ein paar Tage in den Wald, um zu überleben, als ritueller Eintritt ins Erwachsenenalter)

Was ich damit sagen will: Charaktereigenschaften unterliegen immer der subjektiven (natürlich je nach Kultur auch der kollektiven) Bewertung des Einzelnen und seiner Glaubensätze. Solange es mir wichtig ist, wie eine Gesellschaft mich bewertet, werde ich immer danach streben die Eigenschaften zu erlangen die gut ankommen und die mich positiv erscheinen lassen. Damit stelle ich die Gemeinschaft augenscheinlich zufrieden. DICH selber aber nicht!  Geht es allerdings um das innere Glück und die Zufriedenheit dann kann es nur das eine Ziel geben: „mit sich selbst im Reinen sein“ und sich so anzunehmen wie man ist. Dann stellst du dich zufrieden und erst dann profitieren auch die anderen von deiner positiven Energie!

 

Jetzt habe ich euch wieder gezwungenermaßenJ  mit auf eine Reise durch meine Gedankenwelt genommen. Für mich macht dieses „Querdenken“ und Philosophieren einfach viel von dem Spaß aus den ich beim Schreiben habe. Immer wieder kommen mir beim Schreiben solche Fragen hoch, denen ich dann nachgehen muss. Es ist wie ein Zwang und es macht echt Spaß, die Grenzen seiner Gedanken mal nach außen zu schieben. Versucht es einfach mal und lasst Gedanken zu. Auch wenn sie erst mal allem wider sprechen was ihr bisher gelernt habt.

 

Aber Herr „Muss“ meldet sich schon wieder …J

Mit der Zeit hat sich eine Gegenbewegung zu Herrn „Muss“ entwickelt. Erst leise, dann mit einem Riesen Knall und ohne Vorwarnung trat plötzlich Frau „Wollen“ auf den Plan. Mit einer enormen Panikattacke hat sie sich in meinem Leben angekündigt und nichts war mehr wie vorher. (Wenn man sich die enorme Energie des Herr „Muss“ vorstellt, dann war sicher auch so eine heftige Energiewelle wie eine Panikattacke nötig, um dieser Energie etwas entgegenzusetzen).

Sie ging dabei sehr schlau vor und hat sich nicht sofort zu erkennen gegeben. Erst warf sie sich auf Herrn „Muss“, der durch den Überraschungseffekt keine Chance zur Gegenwehr hatte. Er war erst einmal außer Gefecht gesetzt und nichts ging mehr.

Der „Du-musst-funktionieren-Schalter“ war „out of order“…, zumindest anfangs.

Frau „Wollen“, getarnt als großer „Angsthase“, hatte die Oberhand.

Ihr kennt alle den Weg den wir anfangs mit der Angst gehen. Sie ist so übermächtig, dass oft lange Zeit nichts mehr geht. Außer den täglichen Panikgedanken kommt nur blinder Aktionismus hoch, zumindest gedanklich. „Was kann ich tun, welcher Arzt, Therapeut usw. könnte mir helfen, was sagen andere Betroffene, wo ist die Patentlösung.“ So motiviert suchen wir im Außen die Lösung und durchschauen nicht, dass der Angsthase nur eine Tarnung der anderen Persönlichkeit in uns ist, nämlich Frau „Wollen“. Wir haben jetzt das Prinzip der Polarität verinnerlicht und so ist es sicher auch für keinen noch verwunderlich, dass Frau „Wollen“ zwangsläufig auftauchen musste. An dieser Stelle sei noch erwähnt, dass natürlich die Polarität nicht Halt macht vor unserem Inneren. Ich habe die verschiedenen Rollen, die wir im Leben im Außen spielen, schon angesprochen. So ist es gedanklich gesehen auch im Innern. Ist es nicht so, dass sobald ein Angstgedanke auftaucht auch sofort die Gegenstimme da ist, die sagt: „Stell dich nicht so an“ oder vielleicht auch liebevoller:“ Du schaffst das!?“ Sobald ein Gedanke der Gier hochkommt, wie: “ich esse jetzt diese Schokolade komplett auf“, ertönt doch auch sofort die Stimme aus dem Hintergrund, die sagt: „Morgen bereust du es wieder, du musst auf dein Gewicht achten“. Oder man denkt abfällig über einen anderen Menschen, wie ist der dick, dann gibt es auch immer die Stimme, die uns darauf hinweist, ja vielleicht ist er ja krank. Ihr kennt das alle, da bin ich sicher. Es sind immer beide Stimmen in uns. Was bedeutet dies nun? Ganz einfach, man kann dadurch erkennen, dass dies nur Teile von uns sind, nicht das wahre ICH. Es sind nur Teile in uns, die wir durch Erziehung und Umwelt entwickelt haben. Und -ganz wichtig- sie haben alle eins gemeinsam: Sie möchten etwas Positives, etwas Gutes für uns bewirken. Dazu gleich mehr.

Also irgendwann an einem Punkt haben wir alle erkannt, dass man diese Angst in uns nicht wie eine herkömmliche Grippe oder einen Infekt behandeln kann. Hier ist Arbeit an der Front gefordert. Arbeit im Innern, an unseren Glaubensätzen, unseren Mustern. Und an den vielen Teilen, die uns durch ihre Gegensätze ständig in einem Konflikt halten. Frau „Wollen“ enttarnt sich gewissermaßen. Wir entdecken, dass es ganz wichtig ist, sich selbst besser kennen und vor allem verstehen zu lernen. Was will ich wirklich, was entspricht meinem wahren Ich und wo lebe ich danach?

Welcher Teil, welche Stimme hat jetzt Recht? Welche gehört zu meinem wahren ICH? Welche sagt die Wahrheit? Soll ich auf die Angststimme hören, oder auf die die mir Mut machen will? Soll ich die Schokolade essen oder soll ich sie mir versagen? Logischerweise muss durch die Polarität in uns ja ein Konflikt entstehen. Es sind immer zwei Welten die da aufeinander prallen. Und genau das macht den Weg zu unserem wahren ICH so schwer! Was will ich wirklich? Wer bin ich wirklich und was macht mich glücklich? Der eine sagt so, der Andere soJ. Ich dachte anfangs immer, okay ich kann meinen Gedanken nicht Vertrauen und meinen Gefühlen schon gar nicht. Es hat mich fast verrückt gemacht, weil ich ständig diese sich sekündlich widersprechenden Stimmen und Gefühle in mir hatte. Immer wenn ich dachte, ja das fühlt sich gut an und so bin, war in der nächsten Sekunde der Zweifel wieder da.

Ich erkannte, dass Frau „Wollen“ auch wichtig in meinem Leben ist und trotzdem mischte sich Herr „Muss“ weiterhin in alles ein. Wo ich früher stolz auf ihn war, weil ich es als gut bewertete, fleißig, ehrgeizig und voller Power zu sein, wurde er immer mehr zu meinem Feind. Ich habe ihn beschimpft, beleidigt und kritisiert. War er nicht schuld an meiner Angststörung? Hätte ER mich nicht immer so angetrieben, hätte ich doch diesen „Zusammenbruch“ nicht benötigt, oder? Ich wollte innere Ruhe finden, alles daran setzen mich kennen zu lernen und er ließ es einfach nicht zu. Ich wäre so gerne ein in sich ruhender Mensch geworden, ein Mensch der gelassen ist und auch mal fünfe gerade sein lassen kann, aber Herr „Muss“ kämpfte regelrecht um sein Leben. Je mehr ich ihn verdammte und loswerden wollte, desto penetranter wurde er. Frau „Wollen“ dagegen wurde zwar stärker und ich schenkte ihr sehr viel Aufmerksamkeit, aber irgendwie fühlte ich mich trotzdem nicht ganz „rund“, wenn ihr versteht was ich sagen will? Ich fühlte mich nicht vollständig, wenn ich Herrn „Muss“ so außen vor lassen wollte. Irgendwie war er doch auch ein Teil von mir. Aber Frau „Wollen“ wollte J nichts mit ihm zu tun haben.

Irgendwann hatte ich die Nase voll und berief eine Zusammenkunft ein.

Herr „Muss“ und Frau „Wollen“ in einer Diskussionsrunde.

Wie meist in solch einer Runde mit gegensätzlichen Ansichten ging es erst Mal nur um Vorwürfe: Ich bzw. mein wahres Ich (es gibt da ja immer auch noch so eine Art „Mediator“ der beide Seiten hört und sich dann entscheidet, wem er mehr Beachtung schenkt, nicht wahr?)hörte erst einmal alles in Ruhe an.

Herr „Muss“ warf Frau „Wollen“ vor ein Weichei aus mir zu machen, das nicht im Leben bestehen konnte.

„Es gibt so viele Hürden und Herausforderungen, da muss man taff sein, da muss man etwas leisten, wenn man vorwärts kommen will!“

Frau „Wollen“: Sie sehen ja was dabei herausgekommen ist, wo kann sie denn jetzt noch etwas leisten? Sie haben sie doch dorthin gebracht, mit ihrem ständigen „größer-besser-weiter.“

Herr „Muss“: „Wo wäre sie denn heute ohne mich? Ich habe ihr gezeigt, was sie alles erreichen kann, wenn sie ihre Kraft immer voll einsetzt. Meinen sie mit meditieren, faulenzen und Spaß haben wäre sie heute ein Mensch, der sich auch behaupten kann, wenn es sein muss? SIE machen ein Looser aus ihr, nicht ich?

Selbst auf ihrem Weg aus der Angst habe ich sie vorwärts getrieben und sie immer wieder angespornt sich nicht aufzugeben!“

Frau Wollen rollt entnervt die Augen: “Sehen sie sich doch selber mal an, wie gehetzt sie aussehen. Und glücklich ist für mich auch etwas anderes!“

 

Herr „Muss“: Sie haben es nötig, schauen sie sich mal an, keinerlei Spannung in der Körperhaltung, schlaffe Muskeln und dieses „glückselige“ Lächeln in ihrem Gesicht nervt mich auch. Sie leben doch nicht auf diesem Planeten! Ich habe dafür gesorgt, dass unser Haus (Körper) noch in gutem Zustand ist, dass wir immer auf unsere Optik achten und uns sehen lassen können. Und das ist doch wichtig in unserer Welt. Der erste Eindruck zählt!“

 

Frau „Wollen“: Jetzt werden sie mal nicht frech und persönlich! Was hilft uns das jetzt noch? Das Ergebnis ihrer Arbeit ist doch folgendes: zwischendurch ging nichts mehr und wenn ich nicht gekommen wäre, dann hätte sie immer das Leben der Anderen gelebt. Je mehr Druck sie gemacht haben, desto mehr ging der Schuss nach hinten los“.

Das ging noch eine ganze Zeitlang wie ein Ball beim Tischtennis zügig hin und her.

Mir brannte eine Frage auf den Lippen die ich dann auch irgendwann mal in den Raum stellte:

 

„Wenn ich euch beide richtig verstehe, dann habt ihr beide nur mein Wohl im Auge, kann das sein?“

 

Zum ersten Mal während des Gespräches waren beide still und sahen mich völlig überrascht an.

 

Wie aus einem Mund erklang dann nach der ersten Überraschungssekunde, die Antwort;

 

„Aber ja natürlich, wir wollen NUR Dein Bestes. Wir wollen für dich da sein, dich fit machen für das Leben, dich stark machen und dich auch beschützen. Was denkst du denn?“

 

„Gute Frage. Ich fühle mich von Euch -ja wie soll ich es ausdrücken- irgendwie unter Druck gesetzt. Von dir Herr Muss weil du mich nie zur Ruhe kommen lässt und von dir Frau Wollen, weil ich zu viel Energie habe, um einfach nichts zu tun. Irgendwie möchte ich einfach nur so sein und so sein dürfen, wie ich wirklich bin. Wenn aber einer von euch die Übermacht hat, dann bin ich nicht mehr in meiner Mitte und fühl mich unwohl.“

Während ich das sagte, wurde mir die Bedeutung erst so richtig bewusst. Genau das wars! Ich versuchte immer ein „Entweder- oder“ und nicht das „sowohl als auch“.

Herr Muss: „ Ich sags dir ganz ehrlich, in der letzten Zeit habe ich einfach gespürt, dass du mich nicht mehr haben willst. Deshalb habe ich mich noch wilder aufgeführt als früher. Eigentlich kämpfte ich nur noch ums Überleben. Ich verstehe auch nicht, warum du mich nicht mehr magst. Waren wir nicht immer ein gutes Team und habe ich nicht immer mein Bestes gegeben? Wie viele Menschen bewundern dich für deinen Ehrgeiz, deinen Mut und selbst aus der Angst hast du noch einen persönlichen Erfolg gemacht“?“.

Frau „Wollen“ meldet sich aufgeregt zu Wort: „Ja, das ist bei mir genauso, ich denke auch immer du magst mich nicht, weil es keine Anerkennung von außen gibt, für die Dinge, die ich gerne mache, stimmts? Aber hättest du ohne mich dieses Buch schreiben können? Wäre der Weg zu deinem wahren ICH überhaupt gangbar gewesen, ohne diese Ruhe und Stille, für die ich verantwortlich bin? „

 

Ihr habt beide recht und ich denke der Weg muss ein anderer sein. Irgendwie brauch ich euch beide in meinem Leben und der Denkfehler liegt bei mir. Es geht nicht darum einen von euch aus meinem Leben zu verbannen, sondern euch beide gleichberechtigt einzusetzen und auch anzunehmen. Dich Herr Muss habe ich schon mein Leben lang und daher fällt es mir leichter dich zu akzeptieren und als richtig anzusehen. Bei dir Frau Wollen tue ich mir noch schwer, weil du viele alte Wunden wieder ans Licht bringst und mich dazu zwingst, diese Gefühle noch einmal zu durchleben. Aber mir ist auch plötzlich ganz klar, dass ich nur wenn ich noch einmal durch diese alten Wunden gehe und dabei auch die Gefühle noch einmal durchlebe, so authentisch schreiben kann, wie ich es hier getan habe. Distanz hätte dieses Buch und auch meinen Weg zu mir selbst nie ermöglicht. Es ist schwierig das auch anzunehmen, aber ich will es versuchen. Ich kann anderen Menschen nur eine Hilfe und Motivation sein, wenn ich ehrlich bin und auch lebe was ich schreibe. Ich könnte jetzt losheulen, weil es einfach eine schöne Erkenntnis ist. Ich darf euch beide behalten und lieben.“

 

Wir weinten jetzt alle drei und nahmen uns in die Arme.

 

„Da wir ja alle drei die gleiche Motivation und den gleichen Antrieb haben, lasst uns das für die Zukunft festhalten. Unsere Maxime lautet: Immer in der Mitte der Wippe zu bleiben und das innere Gleichgewicht zu halten. Ich bin nun endlich soweit das Ruder zu übernehmen, weil ich endlich weiß wer ich bin, was ich brauche und was mir gut tut. Ich verspreche euch hiermit, euch künftig gleichberechtigt zu behandeln, aber auch euch Einhalt zu gebieten, wenn einer von euch mal über die Stränge zu schlagen neigt. Was haltet ihr davon, wenn jeder eine Art Arbeitsprofil erhält, um das Optimale aus jedem heraus zu holen und überhaupt das beste und effektivste Trio zu werden?“

 

Beide lächelten unter Tränen und Herr Muss meinte: „Eigentlich sind sie ja gar nicht so übel, Frau Wollen, und ich habe mich schon an sie gewöhnt, zumal mir die Pausen auch gut tun.“

Frau Wollen lächelt dankbar und sagt: „ Ich bewundere ihre Stärke und ihre Energie und ich denke als Team funktionieren wir viel effektiver wie als Feinde. Und dir möchte ich sagen, dass ich dich jetzt auch wirklich als Boss akzeptieren kann. Weil ich spüre du bist jetzt soweit wirklich zu wissen, was gut für uns alle ist.“

 

„Super, dann sind wir uns ja einig und ich würde vorschlagen, dass du Herr Muss immer dann deine Auftritte hast, wenn ich stark sein muss und Durchsetzungsvermögen gefragt ist. Du Frau Wollen darfst immer dann die Macht übernehmen, wenn ich aus dem Gleichgewicht zu geraten drohe und wenn Herr Muss mal wieder übermächtig wird.“

 

Aus einem Herr „Muss“ und einer Frau „Wollen“ die sich gegenseitig bekämpften ist eine Liebesbeziehung geworden, die sich vereinigt hat, zu einem viel besseren „Muss-wollen“. Das ist heute mein Motto. ICH MUSS ES WOLLEN!

Auszug aus dem Buch "Wer kennt Marion BOhn", Bestellungen auf meiner homepage hier möglich.

Benutzername:
User-Login
Ihr E-Mail